Brief an die Bürgerinnen und Bürger

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Liebe Bürgerinnen und Bürger, in diesen Tagen dreht sich vieles um Verbote: Soziale Kontakte vermeiden, Geschäfte und Restaurants schließen, Kinder nicht in Kitas und Schulen schicken. Wir reden über einschneidende Maßnahmen, um die Verbreitung einer unsichtbaren, uns alle bedrohenden Gefahr zu verlangsamen.

Bis (fast) zu den Letzten hat sich die Erkenntnis herumgesprochen: Das Gesundheitssystem darf unter keinen Umständen unter der Last einer nicht mehr steuerbaren Anzahl schwerere Erkrankungsverläufe kollabieren. Die fürchterlichen Bilder, welche wir aus Italien kennen, dürfen sich bei uns unter keinen Umständen wiederholen.

Was mir in diesen Tagen bei aller Notwendigkeit zu sinnvollen und scharfen Verboten zu kurz kommt, sind die solidarischen Gebote: Verantwortung übernehmen für unsere Mitmenschen, Rücksicht üben gegenüber Schwächeren, den Geplagten zuhören, Trost spenden. Wenn in den Nachrichten die Rede ist von Erlassen, Allgemeinverfügungen und Rechtsverordnungen, dann klingt das kalt und technisch. Aber diese Mittel sind notwendig, um den staatlichen Stellen die Grundlagen an die Hand zu geben, die erforderlich sind zum Schutze der Allgemeinheit – zum Schutz von Ihnen, Ihren Familien, Ihren Freunden und Verwandten.  

Verantwortung zeigen, Rücksicht nehmen und Zuhören sind unverzichtbare Stützen, um der Pandemie Herr zu werden. Seit einer Woche hat die Stadt Ahlen ein Bürgertelefon geschaltet. Von den Kolleginnen und Kollegen, die am Hörer sitzen, höre ich oft dieselbe Botschaft: Menschen rufen an, um eine Frage beantwortet zu bekommen. Das ist oft sehr schnell erledigt. Danach aber beginnt ein Gespräch des Gespräches wegen. Die Anrufenden sind froh, wenn sie jemanden haben, mit denen sie über ihre Sorgen und Ängste sprechen können. Wer seine Seele erleichtert, kommt mit den womöglich noch heftiger werdenden Einschränkungen im Alltag besser zurecht.

Deswegen bitte ich Sie alle, auf persönliche Kontakte zwar weiterhin streng zu verzichten, aber per Telefon oder Messenger-Diensten den Draht aufrecht zu halten zu den Mitmenschen, die Ihnen etwas bedeuten. „Warum nicht auch mal wieder einen Brief schreiben?“ fragte die Bundeskanzlerin in ihrer Ansprache am Mittwochabend. Ja, warum eigentlich nicht? Eine schöne Anregung, wie ich finde. Ein handgeschriebener Brief ist doch der höchste und liebevollste Ausdruck an Wertschätzung und Verbundenheit.      

Die täglich veröffentlichten Statistiken zeigen, dass die Anzahl der Infizierten in unserer Stadt noch relativ gering ist. Welch ein Glück! Doch wir dürfen uns nicht täuschen. Die Situation wird sich auch bei uns in den nächsten Tagen aller Voraussicht nach dramatisch verschärfen. Viele der vor allem älteren und vorerkrankten Menschen, die sich heute anstecken, werden in große Not kommen. Das ist die tod-traurige Wahrheit. Sie müssen wir kennen und nach ihr müssen wir mit Entschlossenheit handeln.

In Deutschland haben wir dank frühzeitig ergriffener Maßnahmen einen erheblichen Vorteil gegen über Italien, wo man sich zu lange in Sicherheit wähnte. Lassen Sie uns diesen Vorteil jetzt nicht gedankenlos verspielen, weil noch immer zu viele die Gefahr nicht ernst nehmen und nur an sich denken. Zeigen Sie Verantwortung! Nehmen Sie bitte jetzt die Verantwortung wahr, die wir aus guten Gründen als mündige Bürgerinnen und Bürger einer freiheitlichen Demokratie immer wieder für uns einfordern. Der Staat kann nur Rahmen setzen, die Maßnahmen ausfüllen müssen wir selbst – mit unserem einsichtigen Verhalten.

Allen, die jetzt im Dienst an der Gemeinschaft stehen, möchte ich für ihren aufopferungsvollen Dienst von Herzen danken. Medizinisches Personal und die Frauen und Männer im Einzelhandel seien beispielhaft genannt. Mein Dank gilt aber auch allen, die nicht mehr zur Arbeit gehen können, weil ihre Arbeitsstellen schließen mussten. Darin liegt ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag, um die Sozialkontakte zu verringern und die Sicherheit für sich und alle anderen zu erhöhen. Die Sorgen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Unternehmen und Dienstleister werden gehört: Bund und Land erarbeiten unter Hochdruck Programme, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise im Griff zu behalten. 

Verlieren Sie nicht das Vertrauen in die auf Zeit getroffenen Maßnahmen. Je ernsthafter wir uns an die Beschränkungen halten, umso früher besteht Hoffnung darauf, dass sie wieder aufgehoben werden können. Bleiben Sie zuhause, wann immer es geht. Wir sind eine starke Gemeinschaft, die Herausforderungen meistern kann. Jetzt ist Zeit, es uns zu beweisen! Bitte geben Sie meine Nachricht weiter.

Herzlichen Dank für Ihr Verständnis, bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf!

Ihr Bürgermeister
Dr. Alexander Berger

Hotline der Stadt Ahlen: 02382 59444:  08-18 Uhr, Sa. u. So. 09-18 Uhr
Telefonseelsorge zur Lebenshilfe: 116 123 (kostenfrei, rund um die Uhr)

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